Es war mal wieder soweit, dieser lauten Stadt den Ruecken zuzukehren und was bietet sich da in diesen Monaten mehr als eine Hochzeit an
? Ein Kollege von uns wollte sich endlich auch trauen, er ein Christ aus Kerala, sie auch eine Christin aus Kerala, allerdings aufgewachsen in Delhi.
Da er sehr beliebt ist in unserem Team (fast schon ein Frauenschwarm, weil eben solch ein Versteher), wollten viele an seiner Hochzeit teilnehmen. Selbstredend wird in Indien zu einer Hochzeit Hinz und Kunz eingeladen, so dass man sich keine Sorgen machen muss, dass man nicht eingeladen wird
.
Am Anfang waren wir 17 Leute, die mitfahren wollten, am Ende nur noch magere 9. Da wir organisieren mussten, wie wir nach Kerala kommen sollten, fragten wir mehrmals, um am Ende die wirkliche Zahl der Teilnehmerinnen zu bekommen. Zugfahrt viel aus, da schon alles besetzt, mit dem eigenen Auto wollte auch keiner fahren, da zu weit, zu anstrengend und man nicht froehlich sein kann
. Also mieteten wir einen Kleinbus fuer 12 Personen und hatten schoen viel Platz, da wir ja nur 9 waren.
Mir sagte mal ein Inder, setz Dich in einem Bus bloss nicht ganz hinten hin, dort kannst Du ob der tollen Strassenverhaeltnisse nicht schlafen. Recht hatte er, aber nur bedingt: Da ich mich als gut erzogene Mitteleuropaeerin nicht sofort in einen Bus stuerze, als wuerde er jede Sekunde abfahren, war ich fast die Letzte, die denselben betrat. Und was soll ich sagen? Es war nur noch die letzte Reihe frei
. Na super, dachte ich mir, an Schlaf ist also nicht zu denken, man konnte die Rueckenlehnen auch nicht verstellen.....Schnell, sehr schnell bemerkte ich aber den Vorzug, ich hatte naemlich die ganze Reihe fuer mich (4 Sitze) und dies probierte ich gleich mal in horizontaler Stellung aus. Tja, Pech gehabt, meine Lieben, das ist nun mein Sitz- bzw. Schlafplatz, Ihr koennt Euch ja gern auf den vorderen (billigeren) Plaetzen vergnuegen
. Ich muss nicht dazu sagen, dass dies meine komfortabelste Busreise war, denn keiner kam auf die Idee, mit mir zu tauschen
.
Kerala ist weit, weit, weit weg von Bangalore, zumindest unser Endziel. Und so kam es mal wieder, wie es kommen musste, von 2 Tagen (wir hatten nur ein Wochenende Zeit) verbrachten wir die meiste Zeit im Bus.
Am Samstag machten wir uns auf den Weg ans Meer, denn die Hochzeit war erst fuer Sonntagmittag angesetzt. Da ich diesmal vorgesorgt und badetaugliche Kleidung dabei hatte (keine langen Hosen, wie sonst immer), konnte ich dem Ganzen viel, viel abgewinnen, wenn wir auch wieder erst gegen Spaetnachmittag an den Strand gingen. Leider hatte ich aber vorher in einem kleinen Restaurant, in dem wir uns gestaerkt hatten und umziehen wollten, mein Badezeugs in den dort ansaessigen Brunnen geschmissen
. Ich sah schon meinen Badeaufenthalt im wahrsten Sinne des Wortes "davonschwimmen", als der Security-Mensch kam, in den Brunnen stieg und meine Badesachen herausholte
. Ich bin ihm noch heute dankbar, denn der Brunnen war einfach nur dreckig und ich ueberlegte schon ernsthaft, mir irgendwas anderes, billiges zum Baden zu kaufen. Aber dank seiner Hilfe brauchte ich das gar nicht.
Abends fuhren wir dann zu unserem Kollegen, dessen Familie schon auf uns gewartet hatte. Damit wir auch den Weg richtig finden, trafen wir uns mit Freunden von ihm, die uns den Weg weisen sollten. Wir stiegen aus und wollten bei einer Zigarette ein kleines Schwaetzchen halten, als ich hinter uns einen Mann diskutieren/meckern hoerte. Ich dachte mir nichts dabei, als mich Chotu dann draengte, in den Bus zu steigen, da es sonst Aerger geben wuerde. Es war ein Polizist, der sich ueber die Tatsache aufregte, dass ICH als FRAU auf der Strasse rauchte und noch dazu vor einer Polizeistation
. Ja pfui, wie kann ich sowas nur tun? Ich kann foermlich merken, wie sich Moral und Sitte in diesem Land durch mein unanstaendiges Verhalten verschlechtern
. Dass Polizisten bezueglich Korruption in diesem Land gleich nach Politikern kommen, erwaehnte er natuerlich nicht, dies hat ja nichts mit Moral zu tun
. Herzlich willkommen im kommunistischen, freien Kerala
.
Wir trafen bei unserem Kollegen ein und wurden, sehr, sehr herzlich empfangen, gefolgt von einem typischen Mallu-Abendessen, was ich sehr lecker fand. Es war fuer jeden etwas dabei, da es veg und nonveg zu essen gab. Die Familie unseres Kollegen spricht deutsch, da sie viele Jahre in Deutschland verbracht hat und teilweise immer noch verbringt. War ein komisches Gefuehl, als mich seine Mutter auf deutsch fragte, ob es mir schmeckt
. Der Rottweiler, den sie haben, heisst uebrigens Bruno, das fand ich noch viel lustiger
.
Nach dem Essen gab es noch den ein oder anderen Plausch, bis wir zu unserem Nachtquartier fuhren. Es war eine christliche Staette fuer Menschen, die dort zu sich oder zu Gott finden und per Meditation alles von sich abfallen lassen koennen. Versteht sich von selbst (fuer Indien), dass wir dort nicht rauchen oder gar trinken durften. Durch diese Tatsache gingen wir frueh in's Bett, wofuer wir naechsten Morgen sehr dankbar waren, denn die Hauptsache kam ja noch und dazu brauchten wir Kraft.
Die Trauungszeremonie fand gegen Mittag in einer orthodoxen Kirche statt und dauerte mehr als eine Stunde. Leider gab es - im Gegensatz zu deutschen Kirchen - keine Sitzplaetze, so dass wir die ganze Zeit stehen musste (natuerlich verstanden wir nichts, denn es wurde nicht auf Hindi gesprochen). Gott sei Dank gab es viele Ventilatoren, denn es war heiss, sehr heiss sogar. Ich stand ziemlich weit vorne, denn ich wollte jede Sekunde mitbekommen. Ungefaehr 9 Geistliche fuehrten ein Ritual nach dem anderen durch, wovon ich wenig kannte, da es eine orthodoxe Einrichtung war. Aber es war nicht minder feierlich als bei einer deutschen, kirchlichen Trauung. Nicht wie sonst, das uebliche indische Chaos, sondern ruhige, feierliche Stimmung, gepaart mit Kirchenliedern. Am Ende traute der Bischoff (!!) das Brautpaar, allerdings auch nicht mit Ringen, wie wir das kennen, sondern mit Ketten.
Alles in allem fand ich diese Hochzeit sehr, sehr schoen, erinnerte sie mich doch an die zahlreichen deutschen Hochzeiten, die ich durch meine Freunde miterleben durfte.
Nach der Zeremonie eilten (!!) alle zum Essen, ich glaube, es waren fast 1.000 Leute anwesend
und es ging alles ruck, zuck. Teller hingestellt, Wasser, die Frage nach "veg oder nonveg" und schon kamen die Naechsten und fuellten die Teller. Kaum aufgegessen, kam die Eiscreme und schon war der ganze Spuk vorbei. Fuer meine Begriffe hatte das mehr mit "Abfuettern" zu tun, aber gut, ich war eingeladen und wollte nicht meckern
. Nach dem Essen noch die obligatorischen Bilder mit dem Brautpaar und schon sassen wir wieder im Bus....
Die Heimfahrt hat lange gedauert, sehr lange und trotz bequemen 4 Sitzen hatte ich nach fast 16 Stunden die Nase gestrichen voll und war froh, als wir dann gegen 7.30 Uhr morgens wieder in Bangalore waren. Dann ab nach Hause, noch schnell 2 Stunden schlafen und schon waren wir wieder im Buero.
Ein anstrengendes, aber sehr schoenes Wochenende, denn Kerala ist bezueglich Natur einfach nur schoen. Ruhig, gruen und lange nicht so dreckig und laut wie Bangalore
.
Beim naechsten Mal erzaehle ich Euch, wie unser Diwali-Wochenende verlief, denn auch damit habe ich mich inzwischen angefreundet.
Bis dahin macht's gut, Eure Kerstin